Verhalten
Unser soziales Verhalten ist die Grundlage zur Lösung von Problemen
Patrick van Veen und seine Kolleginnen und Kollegen von Apemanagement® nehmen unser ursprüngliches Sozialverhalten als Ausgangspunkt für den Umgang mit Problemen und Herausforderungen. Die Affen, die sie erforschen, dienen dabei als wichtiger Spiegel – ebenso wie die Ergebnisse aus mehr als 100 Jahren Forschung an Menschenaffen durch Psychologen, Soziologen, Anthropologen und Biologen wie Patrick.
Organisationsverhalten und Kolleginnen und Kollegen
Der Arbeitsplatz wird oft als „Affenfelsen“ bezeichnet – meist als negative Metapher für Machtkämpfe. Doch eine Gruppe von Kolleginnen und Kollegen ist weit mehr als eine Ansammlung von Individuen, die darum ringen, wer das Sagen hat. Unser ursprüngliches Sozialverhalten ermöglicht uns eine effektive Zusammenarbeit und prägt unseren Umgang mit Veränderungen. Erkenntnisse aus der Primatenforschung helfen uns, die komplexen Verhaltensmuster am Arbeitsplatz besser zu verstehen und geben zugleich konkrete Ansatzpunkte, um Verhalten gezielt zu beeinflussen. Affen wie Schimpansen und Gorillas sind nicht nur ein Spiegel unseres Verhaltens, sondern auch ein wertvolles Studienmodell, um die Dynamik im Arbeitsumfeld zu begreifen. Einige beispielhafte Themen sind:
Führung
Wer formell an der Spitze steht, verfügt nicht automatisch über tatsächliche Macht. Selbst bei Gorillas, bei denen die Männchen körperlich deutlich stärker sind als die Weibchen, müssen sich Führungstiere für ihr Verhalten und ihre Kompetenzen verantworten – denn die eigentliche Macht liegt bei den Weibchen. Affen zeigen ein demokratisches Führungsmodell: Inkompetente Anführer werden abgelöst. Führung hat zudem viele Facetten. Entgegen einer weit verbreiteten Annahme setzt sich nicht immer der Stärkste durch. Häufig sind es soziale Kompetenzen, die einen männlichen Schimpansen zum Anführer machen. Führungslektionen führen deshalb immer zurück zur Kernfrage: Welche Funktion erfüllt Führung – und wie steht sie im Verhältnis zur Gruppe?
Teambildung
Was macht aus einer Gruppe von Individuen ein echtes Team? Wer eine Schimpansengruppe beobachtet, erkennt schnell, dass eine funktionierende Gemeinschaft klare Rollen kennt und Verantwortlichkeiten verteilt sind. Gleichzeitig gibt es Verhaltensregeln, die bereits im jungen Alter erlernt werden und entscheidend dafür sind, dass die Gruppe stabil bleibt. Wie wichtig sind gemeinsame Vereinbarungen? Wie wird kommuniziert? Und wer spricht wen auf unpassendes oder störendes Verhalten an? Bei Schimpansen hat das Übertreten von Verhaltensregeln spürbare Konsequenzen – doch wie gehen menschliche Teams damit um? Beobachtungen zeigen außerdem, wie bedeutsam Rituale sind. Sie fördern Verbundenheit, etwa durch das gegenseitige Lausen, stärken Vertrauen und helfen bei der Versöhnung nach Konflikten, beispielsweise durch das Ausstrecken der Hand.
Kooperation
Bereits 1921 veröffentlichte Professor Köhler aus Göttingen Forschungsergebnisse zur Kooperation bei Schimpansen. In einem Experiment erhielten die Tiere nur dann Zugang zu Futter, wenn sie kommunizierten und zusammenarbeiteten. Als Patrick und seine Kollegen dieses Experiment wiederholten, zeigte sich deutlich: Die Grundlage erfolgreicher Zusammenarbeit sind Vertrauen und Verbundenheit. Was können Organisationen aus der Natur lernen, wenn es um den Unterschied zwischen nebeneinander arbeiten und wirklich zusammenarbeiten geht? Und wie wirkt sich hybrides Arbeiten auf neue Formen der Zusammenarbeit aus? Sind wir bereit, die notwendige Investition zu tätigen, die echte Zusammenarbeit erfordert? Diese Investition bedeutet übrigens vor allem, sich Zeit füreinander zu nehmen – Zeit zum „Lausen“.


Veränderungsmanagement
Die Welt um uns herum wandelt sich rasant, und Organisationen müssen darauf reagieren. Technologie, KI, Internationalisierung, Homeoffice, Politik und soziale Medien bringen Veränderungen mit sich, denen wir uns stellen müssen. Doch wie gelingt es, Menschen dafür zu gewinnen? Und sind wir als Menschen überhaupt bereit, uns zu verändern? Verhaltensbiologisch betrachtet fällt es uns schwerer, Vertrautes loszulassen, als Neues anzunehmen. Studien mit Orang-Utans zeigen zudem, dass Veränderungsbereitschaft stark vom sozialen Kontext abhängt. Ob wir offen für Neues sind, wird wesentlich durch unser Umfeld beeinflusst. Vielleicht können wir auch vom Verhalten von Jugendlichen lernen – und von Forschungen zur Kulturentwicklung bei japanischen Makaken –, dass Veränderung mit Neugier auf andere beginnt.
„Wer sich nicht verändern will, kann niemals in Rente gehen.“
Verhaltensbeeinflussung
Für einen Verhaltensbiologen besteht der Kern vieler Untersuchungen darin zu verstehen, was die Motivation und Funktion von Verhalten ist. Warum tun wir die Dinge so, wie wir sie tun? Daraus entsteht ganz selbstverständlich auch die Frage, wie sich Verhalten wirksam beeinflussen lässt. Wie stark steuern Instinkte unser Handeln? Welchen Einfluss haben Umfeld und sozialer Druck? Sind wir Menschen Herdentiere, die der Gruppe folgen, oder eher eigenwillige Schimpansen, die ihre eigenen Entscheidungen treffen? Wer Verhalten wirksam beeinflussen will, muss es zunächst verstehen – dieses Leitmotiv prägt Patricks Arbeit von Beginn an. Auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse wissen wir jedoch auch, wie sich Verhalten gezielt steuern lässt und welche Ansätze funktionieren – und welche nicht. Ob es um Veränderung, sicheres Arbeiten, Zusammenarbeit, Verantwortungsübernahme oder das Ansprechen von Fehlverhalten geht: Alles beginnt damit, Verhalten auf die richtige Weise zu beeinflussen.
Internationale Kulturdiversität
In einer zunehmend internationalen Welt, in der Unternehmen von ausländischen Investoren übernommen werden oder grenzüberschreitend zusammenarbeiten, wird der Einfluss kultureller Unterschiede schnell sichtbar. Wer über die Landesgrenzen hinausblickt, erkennt rasch, wie stark Hierarchievorstellungen, Rituale, Formen der Verbundenheit, Statussymbole, Kommunikationsstile, der Umgang mit Konflikten oder die Ansprache von Individuen das Verhalten in Organisationen prägen. Auch beim Thema Homeoffice, beim Stellenwert von Vereinbarungen oder beim Verständnis von formeller und informeller Macht zeigen sich deutliche Unterschiede. Integrität und politisches Handeln haben nicht überall dieselbe Bedeutung. Patrick war mehr als zehn Jahre in einer internationalen Organisation tätig und arbeitete mit Menschen aus über 30 verschiedenen Kulturen zusammen. Er war dafür verantwortlich, Spannungen zu lösen, die durch kulturelle Unterschiede entstanden waren, und Menschen zur Zusammenarbeit zu bewegen, die unterschiedliche kulturelle „Sprachen“ sprachen. Als Verhaltensbiologe beobachtete und analysierte er diese Dynamiken und versuchte zugleich, ihre Auswirkungen auf das Organisationsverhalten zu verstehen. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse fließen heute in seine Vorträge und Workshops ein.
„Menschen sind soziale Wesen. Deshalb genügt es nicht, nur das Individuum zu beeinflussen oder zu verändern – man muss immer auch das gesamte Umfeld mitdenken.“
„Wir versuchen häufig, Verhalten zu verändern, indem wir an den falschen Stellschrauben drehen.“
Soziale Sicherheit und grenzüberschreitendes Verhalten
Es scheint, als hätten wir zunehmend mit sozialer Unsicherheit am Arbeitsplatz sowie mit mehr störendem und grenzüberschreitendem Verhalten zu tun – zumindest nimmt die Zahl der Berichte in den Medien zu. Möglicherweise erklärt die wachsende Anzahl sozialer Gruppen, denen wir als Individuen angehören, warum es uns schwerer fällt, Verhalten zu korrigieren und Kolleginnen und Kollegen darauf anzusprechen. Schließlich können wir uns heute jederzeit entziehen, wenn wir Zeugen von unangemessenem Verhalten werden. Oder liegt die Erklärung in einer Verschiebung von Grenzen? Sind wir empfindlicher geworden und wird schneller etwas als grenzüberschreitend wahrgenommen? Was können wir von Affen und aus der Biologie lernen, wenn es um den Umgang mit störendem und grenzüberschreitendem Verhalten geht?
Soziale Sicherheit sollten wir ähnlich betrachten wie physische Sicherheit. Wenn sich Arbeitsbedingungen verändern, bewerten wir physische Risiken neu und passen unsere Schutzmaßnahmen an. Genauso sollten wir auch mit sozialer Sicherheit umgehen.
Im Kern bedeutet das, dass wir unsere Verhaltensregeln regelmäßig prüfen müssen. In jeder sozialen Gruppe gibt es geschriebene und ungeschriebene Regeln, die ein respektvolles und sicheres Miteinander ermöglichen. Kommen neue Mitglieder hinzu oder verändert sich das Umfeld, müssen diese Regeln neu reflektiert und gegebenenfalls angepasst werden. Von Affen lernen wir, dass ihre Verhaltensregeln eindeutig sind. Und wenn sie verletzt werden, gibt es klare Rituale, um wieder zueinanderzufinden, Konflikte zu klären und Versöhnung zu ermöglichen. Zudem gibt es stets ein Alphatier – häufig ein Weibchen –, das Unruhestifter oder rücksichtsloses Verhalten klar anspricht. Denn niemand kann die Gruppe einfach verlassen; Stabilität, Ruhe und soziale Sicherheit liegen im Interesse aller.
Als Menschen neigen wir dazu, alles in Strukturen zu regeln: Prozesse, Verhaltenskodizes, formelle Rollen wie Vertrauenspersonen und Leitwerte, die wir sichtbar an die Wand hängen. Doch entscheidend ist, wie sich all das im konkreten Verhalten widerspiegelt. Was bedeuten Leitwerte tatsächlich im Alltag? Und welche Konsequenzen hat es, wenn sich Einzelne nicht daran halten?
„Wir können weiterhin eine Hand auf die Schulter legen – vorausgesetzt, wir verfügen über ausreichende anatomische Kenntnisse und wissen genau, wo die Schulter endet.“
„Führungskräfte werden häufig als erste Ansprechpersonen bei störendem Verhalten benannt. Dabei wird oft übersehen, dass sich die meisten Meldungen gegen Führungskräfte selbst richten.“
In den Kunden verliebt
Möchten wir als Konsumenten nicht ein Stück weit verführt werden? Das Gefühl haben, dass wirklich alles für uns möglich gemacht wird – trotz komplexer Fragen, hoher Erwartungen, ungünstiger Zeitpunkte oder scheinbar unmöglicher Wünsche? Im Prozess des Verliebens erkennen wir verschiedene Phasen, die schließlich zu einer festen Verbindung führen. Doch von Beginn an gibt es unterschiedliche Rollen mit unterschiedlichen Interessen. Genau deshalb kann das gegenseitige Verhalten mitunter für Verwirrung sorgen. Der Kunde glaubt vielleicht, alles verlangen zu können, während der Lieferant, Verkäufer oder Dienstleister es versäumt, klare Grenzen zu setzen. Im Prozess der Verführung ist nichts wirklich ungewöhnlich. Auch im Kauf- und Verkaufsprozess werden wir von unseren Urinstinkten geleitet. Warum wirkt das eine Café einladend und das andere nicht? Warum reagieren wir allergisch auf gähnende oder klagende Verkäufer? Was passiert in unserem Gehirn, wenn wir uns durch ein Telefonmenü klicken? Warum empfinden wir aufdringliche Verkäufer als unangenehm? Und weshalb möchten wir am liebsten zwischen mehreren Varianten wählen? Und vor allem: Wann beginnt eigentlich der Verführungsprozess? Wer die Urinstinkte des Menschen versteht und weiß, wie sie unsere Entscheidungen beeinflussen, kann dafür sorgen, dass Kunden sich angesprochen und überzeugt fühlen.
Mobbing
„Mobben Affen auch?“ Diese Frage einer Gruppe von Lehrkräften führte zu einer Untersuchung, aus der schließlich eine Broschüre, Signalkarten zur besseren Erkennung von Mobbing im Schulalltag und entsprechende Trainingsangebote entstanden.
Frühere Studien zeigten, dass Mobbing bei Affen ebenso vorkommt wie bei Menschen. Möglicherweise verstehen wir durch die Tierforschung sogar mehr über die Motivation hinter Mobbing als allein durch Untersuchungen im schulischen Kontext. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit diesem Verhalten bei Tieren ist deutlich älter als die Forschung in Schulklassen. Veröffentlichungen des österreichischen Ethologen Konrad Lorenz über „Mobbing“ bei Tieren führten bereits in den 1970er-Jahren zu ersten Studien über Mobbing in der Schule.
Affen und Kinder mobben, um zu entdecken, zu lernen, um einzuschätzen, wie der andere reagiert oder welchen Einfluss sie auf ihn haben. Es gibt jedoch auch Formen, die mit Hierarchie zu tun haben oder dazu dienen, auf negative Weise deutlich zu machen, was als richtig oder falsch empfunden wird. Wie bei Affen existieren auch bei Menschen unterschiedliche Rollen – etwa Mitläufer oder Antreiber. Ein wesentlicher Unterschied besteht jedoch darin, dass bei Affen Fehlverhalten meist schneller und wirksamer korrigiert wird, sodass Eskalationen eher vermieden werden.
Während vieler Stunden beobachtender Forschung – sowohl in Schulklassen als auch bei Gorillas – in Zusammenarbeit mit Studierenden der Fakultät für Sozialwissenschaften und Biologie der Radboud Universiteit Nijmegen stand eine zentrale Frage im Mittelpunkt: Wie lässt sich Mobbing frühzeitig und wirksam erkennen? Das Ergebnis sind Signalkarten für den Bildungsbereich sowie Trainings zur Sensibilisierung, Beobachtung und frühzeitigen Erkennung von Mobbing – die sogenannte BOS-Methode.
Urinstinkte der Liebe
Bei der Suche nach dem idealen Partner entfernen wir uns zunehmend von unseren biologischen Wurzeln. Dabei kann die Definition dessen, was „ideal“ ist, aus biologischer Sicht ganz anders aussehen als aus kultureller Perspektive. Den passenden Partner findet man biologisch betrachtet eher, indem man unbewusst am Geruch des anderen wahrnimmt oder sogar auf Details wie die Schuhgröße achtet, als indem man auf Persönlichkeit, Beruf oder Hobbys schaut. Patrick van Veen war über viele Jahre als Experte in der Niederländische Fernsehsendung Married at First Sight zu sehen. Die Grundlage für sein Buch und seine Sicht auf die Liebe liegt jedoch im internationalen biologischen Forschungsstand. Aus dieser wissenschaftlichen Basis heraus entstanden vor über zehn Jahren die ersten Singletage im Affenpark Apenheul. Das Ergebnis waren nicht nur neue Beziehungen, sondern auch Liebeskinder, deren Ursprung – ebenso wie bei MAFS – auf diese Begegnungen zurückgeht. Regelmäßig hält Patrick das Theaterkolleg „Auf der Jagd nach der Liebe“. Darin nimmt er sein Publikum mit in die Welt der Urinstinkte der Liebe und zeigt, was wir daraus lernen können.


